Wasserball gilt in der Republik als absolute Nischensportart und hat ungefähr einen Stellenwert wie Handball in den USA. Derzeit werden jedoch einige Unternehmungen getätigt, um den Sport populärer zu machen.

Die Ursprünge der Sportart reichen in das 19te Jahrhundert in England zurück und die Tatsache dass es sich um die älteste bei olympischen Spielen zugelassene Teamsportart handelt, bestätigt die herausragende Bedeutung in der Sportgeschichte. Auch in der Schwimmerhochburg Oldenburg wird seit jeher Wasserball gespielt. In den 70er und 80er Jahren sogar äußerst erfolgreich.

Das Planschen mit Ball im Hotelpool darf eben so wenig als Wasserball bezeichnet werden wie das Baden in der Badewanne als Schwimmeinheit verkauft werden kann. Wasserball ist ein Wettkampfsport. Ein Wasserballspiel gehörte als Abschluss eines Schwimmwettkampfes zwischen den teilnehmenden Mannschaften früher zu jeder Veranstaltung dazu. Dies zeigt auch, dass die schwimmerischen Fähigkeiten zur Ausübung dieser Sportart enorm wichtig sind.

Nur wenige Menschen können etwas mit der Sportart anfangen bzw. haben schon mal ein Spiel gesehen. In Südeuropa und an der Adria hingegen ist Wasserball Volkssport, dem dort eine ähnliche Bedeutung zukommt wie hier nur dem Fußball. Ein aufregender Sport gespielt von echten Athleten im Wasser, der die Massen bewegt. Dass Wasserball wohl zu den kräftezehrendsten und zugleich technisch anspruchsvollsten Sportarten überhaupt zählt und noch dazu bis ins hohe Alter ausgeübt werden kann, wissen nur die wenigsten.

Im neuen Jahrtausend steuerte die Sportart in Oldenburg jedoch zusehends auf einen Tiefpunkt zu. Eine stetig sinkende Zahl an Aktiven sowie ein steigendes Durchschnittsalter gaben gegen Ende der 2000er Jahre erstmals Grund zur Annahme, dass bald kein Wasserball mehr in Oldenburg gespielt werden könne. Beim Training fanden sich häufig nur noch 4-5 Aktive ein und die Wettkampfmannschaft musste sich zunehmend der provinziellen Konkurrenz aus Ostfriesland geschlagen heben. Nur den jüngsten Bemühungen des Polizeisportsvereins Oldenburg e.V. ist es zu verdanken, dass dieser Fall so nicht eintrat und es seit 2012 wieder aufwärts geht. Wasserball ist keine Konkurrenz im Schwimmverein, sondern eine sinnvolle Ergänzung des Sportangebots und Aushängeschild. Leider wird Wasserball primär von Zuständigen in den Vereinen als Konkurrenz angesehen und nicht als sportliche Alternative. So ist der Trend in der Bundesrepublik. Der Polizei SV geht hier ganz andere Wege und unterstützt den Wasserball in allen Bereichen vorbildlich!

Der Meistertitel der Bezirksliga im Jahre 2014 sowie die florierende neue Jugendabteilung des Polizei SV unterstreichen die positive Entwicklung. Mittlerweile zählt der Verein ca. 60 aktive- wasserballspielende Mitglieder im Alter zwischen 10 und 70 Jahren. Die Zukunft der Sportart scheint in Oldenburg tatsächlich glänzend zu sein. Unter den Begleitern des neuen Aufschwungs im Polizei SV befindet sich mit Hans-Jürgen Wiechmann auch ein Oldenburger Urgestein, welches die Fahnen der Sportart in der Stadt über mehr als ein halbes Jahrhundert hochgehalten hat. Anlass für einen historischen Rückblick auf die letzten vier Jahrzehnte mit dem Veteran Wiechmann:

Herr Wiechmann, mit 71 Jahren sind sie immer noch regelmäßig in der Schwimmhalle anzutreffen, aber nicht etwa um früh morgens zwischen den Rentnern ihre Bahnen zu ziehen, sondern vielmehr um abends mit 50 Jahre jüngeren Sportlern Wasserball zu spielen. Kompliment für ihre außergewöhnliche Fitness. Wie geht das und wie lange können sie sich vorstellen die Sportart weiter auszuüben?
HJW:
Das Wasserballtraining 2-3-mal pro Woche gehört für mich seit 50 Jahren zu meinem Leben. Die Bewegung im Wasser mit Ball fordert der ganzen Körper jedes Mal aufs Neue. Ein besseres Training gibt es nicht. Hinzu kommt natürlich der Ehrgeiz mit den jungen Spielern mithalten zu wollen, was zusehends schwerer wird, aber noch macht mir keiner was vor. Erfahrung und Routine können einem einige überflüssige Meter im Wasser sparen. Ich bin ja auch nicht das einzige ältere Semester beim Training. Mit Ede und Christiane Heeren, Axel Hellmich und Serban Sandulescu sind wir 5 Spieler zwischen 60 und 70 Jahren. Uns allen merkt man die positiven Effekte der Sportart für die Gesundheit an.

Aber nun ist doch Wasserball auch nicht gerade ein Rentnersport. Bei den Jungen geht es doch ziemlich zur Sache?
HJW:
Ja natürlich, da wird gekämpft und gerauft. Aber immer alles fair. Aus den Nahkämpfen halte ich mich mittlerweile raus. Wir nehmen eher die Rolle der Ratgeber ein nun geben den jungen Sportlern Tipps was sie verbessern können. Dass dies zielführend ist, beweist die Dominanz unserer 1. Herrenmannschaft in der Bezirksliga Weser-Ems. Nach dem Meistertitel im letzten Jahr schnuppern die Männer nun an der Titelverteidigung. Eine tolle Entwicklung.

Schließlich stand die Sportart vor knapp 5 Jahren noch vor dem Aus.
HJW:
Richtig! Ein Glück, dass im PSV eine neue sportliche Heimat aller Wasserballer gefunden werden konnte, die besten Voraussetzungen bietet, um den Wasserballstandort Oldenburg zu festigen. Die enge Verzahnung der Leistungsschwimmabteilung mit den Wasserballern ist ein Glücksfall, denn das Spiel mit Ball ist eine willkommene Abwechslung für die Schwimmer und umgekehrt freuen sich die Wasserballer über jeden gut ausgebildeten Schwimmer als Verstärkung in ihren Reihen. Wenn ich sehe mit welchem Elan die neuen Spieler im Verein an die Sportart herangehen und wie schnell vor allem die Jugendlichen durch den Sport in kurzer Zeit an Kraft und Selbstvertrauen zulegen, so finde ich, dass noch viel mehr Sportler zu der Sportart finden sollten. Hinzu kommt das äußerst geringe Verletzungsrisiko, durch die dämpfende Wirkung des Elements Wasser. Ab 2016 repräsentieren 2 Seniorenmannschaften und 2 Jugendmannschaften im PSV die Stadt Oldenburg.

Der PSV knüpft damit auch an eine glorreiche Geschichte an, von der auch Sie teil sind. Was waren die erfolgreichsten Jahre des PSV?
HJW:
In den späten 70er Jahren wurden wir mit dem Polizei SV mehrfach Landesmeister und ließen dabei sogar die Platzhirsche aus der Landeshauptstadt reihenweise hinter uns. Selbst so klangvolle Namen wie Laatzen oder Waspo konnten uns nicht das Wasser reichen, auch wenn es sich nur um die Zweitvertretungen der Bundesligamannschaften handelte, spielten dort viele ehemalige Bundesligaspieler mit. Ein Highlight sicherlich der Aufstieg in die Nord-West Verbandsliga, wobei wir mit dem Polizei SV dabei einen bundesweiten Rekord mit 28:0 Punkten und 169:35 Toren aufstellten. Viele der gegnerischen Teams von damals gibt es heute gar nicht mehr, umso schöner dass der PSV eine solche Kehrtwende in Oldenburg geschafft hat.

Sie zählten damals als Jungspund bereits zu den Führungsspielern. Welche anderen Namen prägten die Oldenburger Wasserballszene?
HJW:
Neben den Heeren-Brüdern sind da vor allem die Namen von Abwehrchef Axel Hellmich zu nennen. Ich habe übrigens auch jahrzehntelang meine Treffsicherheit unter Beweis gestellt! Insgesamt muss ich aber sagen, dass wir eine tolle Mannschaft und einen großartigen Teamgeist hatten. Auch außerhalb des Beckens waren wir eine echte Mannschaft.

Eine Eigenschaft die in unserer heutigen Zeit zusehends zu kurz kommt. Wie beobachten sie das bei den jungen PSV Spielern?
HJW:
Auch bei den jungen Leuten wird Teamgeist großgeschrieben. Die Jungs und Mädels sind eine echt eingeschworene Truppe. Dazu kommt dass wir mittlerweile sehr international aufgestellt sind. Das war damals noch nicht so. Stand heute spielen Niederländer, Sri Lankaer, Argentinier, Syrer und Deutsche alle gemeinsam in einer Mannschaft und bilden eine harmonische Einheit. Ein gutes Zeichen für den Sport, der wie kaum ein anderes Hobbie die Kraft hat Menschen zusammenzubringen!

Einen echten Lokalrivalen haben die aktuellen Spieler des Polizei SV nicht. Zu den Bremer Teams wir eine Freundschaft gepflegt, die Ostfriesen sind zu weit weg um eine echte Rivalität zu empfinden. Gab es früher aufgrund der größeren Anzahl an Vereinen so etwas wie Derbys oder Lokalrivalen?
HJW:
Wie bereits erwähnt waren Wasserballspiele als Abschluss eines Schwimmwettkampfes gang und gäbe. Duelle mit Wilhelmshaven gibt es leider nicht mehr. Auch Hude hat den Wasserballbetrieb vor Jahren eingestellt. Andere Teams mit denen wir häufig enge Spiele hatten waren Union Hannover und Bremen 10.

Das Olantis gibt es noch nicht so lange. Welche Spielstätten haben Sie früher genutzt und wie bewerten Sie die aktuellen Gegebenheiten in Bezug auf die Wasserballtauglichkeit der Sportstätten?
HJW:
Nie waren die Voraussetzungen so gut wie heute. Wir haben mit dem Olantis und den Bädern Kreyenbrück und Eversten mittlerweile drei mit Wasserballtoren ausgestattete Hallenbäder in Oldenburg in denen die Trainingseinheiten der verschiedenen Gruppen stattfinden. Früher wurde mehr draußen gespielt. Das war mit dem Freibad des Polizei SV an der Margarethenstrasse aber auch einfacher. Aber auch hier schaffen sich die Spieler Alternativen. So wurde im vergangenen Sommer erstmals wieder durchgehend draußen im Flußbad des Olantis an der Stelle des alten Huntebads gespielt. Die Sportler gehen also ihren Weg, und schaffen sich in Zusammenarbeit mit Stadt und BBGO optimale Bedingungen. Eine vorbildliche Entwicklung auch für andere Schwimmvereine. Das Engagement von den Vereinsvertretern Heidi Schlörmann, Tjark Schroeder und Andreas Rehling könnte nicht höher ausfallen.

Herr Wiechmann, vielen Dank für ihre spannenden Erinnerungen an ein Stück Sportgeschichte in Oldenburg. Wir wünschen ihnen eine weitere Fortsetzung dieser großartigen Karriere im Master Bereich.
HJW:
Die Masterspiele sind für uns eine große Motivation, das ist richtig. Ich werde von den nächsten internationalen Wettkämpfen berichten. Gut Nass!

Diesen Bericht in „Mein Oldenburg“ lesen